Die historischen Druckgrafikbände der ALBERTINA
Mit rund 900.000 Blättern stellt die Altmeister-Druckgrafik der ALBERTINA den größten Teil ihrer Sammlungen dar. In Quantität und Qualität sind diesem Bestand nur wenige Museen ebenbürtig. Ein großer Teil der Druckgrafiken ist in historischen Großfoliobänden montiert: 1.682 Klebebände bewahren die Blätter bis heute in den Ordnungssystemen, nach denen sie einst zusammengestellt wurden.
Die Bände stammen aus mehreren Sammlungen. Die 279 in rotes Maroquinleder gebundenen Bände Prinz Eugens von Savoyen wurden ab 1717 von den Pariser Kunsthändlern Jean und Pierre-Jean Mariette nach Schulen und Künstlern geordnet und gelangten 1738 in die kaiserliche Hofbibliothek. Die 749 Bände der Sammlung Herzog Alberts von Sachsen-Teschen ließ Franz Rechberger ab 1827 anlegen. Er gliederte jede Schule in drei Sektionen, für Stecher, Maler und Radierer. Hinzu kommen 364 Bände der ehemaligen Hofbibliothek und 290 Bände weiterer Provenienz. Mit der Vereinigung der Sammlungen 1920/21 kamen sie unter einem Dach zusammen. Gemeinsam spiegeln sie Wissen und Ästhetik des Sammelns vom frühen 18. bis ins späte 19. Jahrhundert wider.
Eines modernen wissenschaftlichen Standards entsprechende Bestandsaufnahme dieses weltweit wohl einzigartigen Monuments früher Sammlungspraxis war lange ein Desiderat. Das Forschungsprojekt, das im März 2017 mit Unterstützung des Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank startete, zielt auf die präzise Autopsie und Analyse der einzelnen Bände. Jeder Band wird wissenschaftlich begutachtet, restauratorisch geprüft und gesichert, inventarisiert, digital erfasst, in der Sammlungsdatenbank beschrieben und sukzessive online gestellt. Die Bände der Sammlung Herzog Alberts sind bereits vollständig bearbeitet; derzeit liegt der Schwerpunkt auf den Bänden Prinz Eugens.
Das Projekt erweitert die Kenntnis über die Genese und Struktur unseres neuzeitlichen Bildkanons, über die Mediengeschichte der Grafik und über die Ästhetik des Sammelns erheblich. Darüber hinaus ergeben sich zahlreiche Entdeckungen und Neuzuschreibungen bei Einzelblättern.




